DAS LEBEN IST EIN GEDICHTE

Ein vergnüglicher Theaterabend mit der berühmten Poetantin Friederike Kempner (1836-1904), dem „Genie der unfreiwilligen Komik“

dargestellt von Barbara Kratz
Textcollage, Regie, Bühne: Juliane Koren & Diana Anders

Fräulein Friederike Kempner, auch genannt „Der schlesische Schwan“, war Zeit ihres Lebens heiß entbrannt für die Dichtkunst.

Die Poesie, die Poesie,
Die Poesie hat immer recht!

schrieb sie im Überschwang des Gefühls.

„Schlechte Gedichte müssen schon außerordentlich gut sein, um außerordentlich komisch zu sein“, versuchte der Dramatiker Peter Hacks dem Phänomen Friederike Kempner auf die Schliche zu kommen. In der Tat sind ihre Gedichte voll schiefer und falscher Bilder, und auch die Grammatik wird zugunsten des Versmaßes bisweilen sehr unkonventionell gehandhabt. Wenn’s sein muß: arg verbogen. Geradezu rührend dagegen der tiefe Ernst, mit dem die Kempner ihre Werk guten Zwecken widmet. Sie kämpft für Leichenhäuser, beschwört die Qualen des lebendig Begrabenwerdens (und muß dafür Häme und Verleumdung ertragen).

Sie hat Novellen, Dramen und viele Gedichte geschrieben. Die acht Auflagen ihrer gesammelten Gedichtbände waren sofort vergriffen. Friederikes Bruder David, Gutsbesitzer und Autor einiger Novellen, kaufte die gesamte Auflage auf und ließ sie einstampfen. An diesem seinem ästhetischen Schamgefühl ging er schließlich wirtschaftlich zugrunde. Die wenigen Exemplare, die dann in den Handel kamen, waren heiß begehrt. Man schrieb sie ab, lernte sie auswendig, gab sie auf Gesellschaften zum besten und lachte sich tot.

1904 stirbt Friederike Kempner nach erfülltem Leben und in festem Glauben an ihre Unsterblichkeit.

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